Überleben war nie so schön

Windbound: The Legend of Zelda auf Survival-Steroiden – Vorschau

  • Christian Böttcher
    vonChristian Böttcher
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Auch wenn Windbound zunächst an The Legend of Zelda erinnert, steckt dahinter ein waschechtes Survival-Abenteuer. Unsere Vorschau zeigt, was euch im Spiel erwartet.

  • Windbound erscheint am 28. August für PS4, Xbox One, Nintendo Switch, PC und Google Stadia
  • Das Survival-Abenteuer erinnert optisch an The Legend of Zelda, spielt sich jedoch ganz anders
  • Unsere Vorschau zu Windbound zeigt, ob sich ein Segeltörn mit Überlebenskünstlerin Kara lohnt

Brisbane, Australien – Geraffte Segel und knappe Vorräte – In Windbound seid ihr und euer treues Boot komplett auf euch allein gestellt. Wir konnten das atmosphärische Survival-Abenteuer der australischen 5 Lives Studios bereits anspielen und verraten euch in unserer Vorschau zum Spiel, warum es gar nicht so viel mit The Legend of Zelda zu tun hat wie es beim ersten Segeltörn den Anschein hat.

Name des SpielsWindbound
Release (Datum der Erstveröffentlichung)28. August 2020
Publisher (Herausgeber)Deep Silver
PlattformPS4, Xbox One, Nintendo Switch, PC, Google Stadia
Entwickler5 Lives Studios
GenreSurvival, Action-Adventure, Roguelike

Windbound: The Legend of Zelda mit Survival-Einschlag

Einsame Inseln, Schiffbruch und eine gestrandete Heldin – Das Grundrezept von Windbound dürfte vielen Spielern schon auf den ersten Blick bekannt vorkommen. Der wilde Genre-Mix aus Action-Adventure, knallharter Survival-Taktik und Roguelike der in Brisbane beheimateten 5 Lives Studios wird euch bereits nach wenigen Sekunden im Spiel seltsam vertraute Abziehbilder auf die Netzhaut projzieren. So weckt das Open World-Spiel optisch zunächst Erinnerungen an das ein oder andere The Legend of Zelda-Spiel – ganz besonders Windwaker, denn auch die Heldin von Windbound hat eine starke Verbindung zu ihrem Segelboot. Wer aber nun einen Breath of the Wild-Ersatz für den PC erwartet, dürfte eine herbe Enttäuschung erleben.

Denn abseits der Optik stößt der Zelda-Vergleich bereits an seine Grenzen. Genau wie im Nintendo Switch-Verkaufschlager spielt zwar auch in Windbound die Erkundung der Welt eine maßgebliche Rolle. Wer sich allerdings auf ein klassisches Action-Adventure mit Quests und vorgefertigten Pfaden gefreut hat, bleibt im neuen Spiel der 5 Lives Studios schnell auf der Strecke. Windbound ist stattdessen von seinen Survival-Mechaniken geprägt und erinnert spielerisch deshalb eher an Spiele wie Rust oder The Forest, nur eben im mystisch-bunten Comic-Look, der Parallelen zu Links-Abenteuern oder dem atmosphärischen Puzzler Rime aus 2017 aufwirft.

Windbound setzt Segel in unbekannte Story-Gewässer

Nachdem die junge Heldin Kara auf hoher See Schiffbruch erleidet, wird sie am Strand einer ihr fremden Insel angespült, ohne Orientierung und ganz allein. Um wohlbehalten zu ihrem Stamm zurückzukehren, muss sie sich die Ressourcen der paradiesischen Inselwelt zunutze machen und lernen, was Überleben in einer von Menschen verlassenen Welt bedeutet. Denn Gesprächspartner sucht ihr in Windbound vergeblich. Stattdessen soll die rudimentäre Geschichte des Spiels fast ausschließlich über die Welt selbst erzählt werden. Wie das ungefähr aussieht, konnten wir in rund 2 Stunden mit dem Spiel bereits in Grundzügen ausprobieren.

Immer wieder stößt Kara bei ihren Streifzügen über die Inseln auf geheimnisvolle Ruinen, die in einer rätselhaften Verbindung miteinander stehen: Vielmehr zur Story konnten wir bislang allerdings noch nicht herausfinden. In einer dieser verlassenen Stätten entdeckt sie praktischerweise auch ein verzaubertes Paddel, das sie gleich dazu animiert, sich ein Kanu zu bauen – unumgänglich in der von Wellen umschlungenen Inselwelt des Spiels. Dieses Kanu können wir im Laufe des Spiels zu einem amtlichen Segelboot verbessern, nach unseren Wünsche gestalten, darauf kochen und mehr. Im Grunde ist es die einzige Konstante, die Kara auf ihrer Reise begleitet.

Dementsprechend viel Wert haben die australischen Entwickler auch auf die Segel-Mechaniken in Windbound gelegt. Sobald ihr eurer Schaluppe ein Segel gebaut habt, könnt ihr es auf hoher See raffen, voll ausfahren, gegen und mit dem Wind halten. Das ist zu Beginn des Spiels etwas gewöhnungsbedürftig, entpuppt sich aber schon nach kürzester Zeit als coole Mechanik, die verhindert, dass beim Hin- und Herschippern zwischen den vielen Inseln Langeweile aufkommt. Doch was nützt das robusteste Boot, wenn man darauf elend verhungert?

Die Survival-Elemente sind das Herzstück von Windbound.

Windbound: Survival und Crafting sind mehr als nur Inselbegabung

Bevor ihr euch also an die Verbesserung des Boots macht, solltet ihr zunächst die grundlegenden Bedürfnisse von Kara stillen. Denn wie es sich für ein richtiges Survival-Games gehört, ist auch die Heldin in Windbound alles andere als unverwundbar. Abhängig davon, ob ihr euch zum Start des Spiels für den Modus „Survivalist“ oder „Storyteller“ entscheidet, bekommt ihr es mit mal mehr, mal weniger anspruchsvollen Gegnern und Herausforderungen zu tun. Anfangs stillt Kara ihren Hunger noch mit Beeren, doch irgendwann werdet ihr nicht drumherum kommen, auf die Jagd gehen zu müssen, um euch vollwertige Mahlzeiten kochen zu können.

So malerisch die Insel-Idylle von Windbound auch erscheint, so tödlich sind jedoch die Gefahren, die dort lauern. In unserer Anspiel-Session wurden wir lediglich mit den ersten Gegnern des Spiels konfrontiert. Doch im Kampf mit einem vermeintlich harmlosen Mutanten-Nashorn stellte sich schnell heraus: Wer in Windbound bestehen will, sollte enorm gut vorbereitet sein. Das Kampfsystem ist zum jetzigen Zeitpunkt noch recht schwammig, sodass ihr gut damit beraten seid, Gegner aus gebührendem Abstand anzugreifen – die dafür benötigten Fernkampfwaffen (Schleuder, Bogen) kann Kara schon recht früh im Spiel herstellen. Kara hat zwar eine Ausweichrolle im Repertoire, um drohenden Angriffen im Nahkampf zu entgegen, präzises ARPG-Gameplay Marke From Software dürft ihr aber nicht erwarten.

In Windbound solltet ihr euch gut überlegen, mit welchen Inselbewohnern ihr euch anlegt.

Umso wichtiger ist es, die Gefahren von Windbound einschätzen zu lernen. Eine falsche Entscheidung kann über Leben und Tod entscheiden. Die Crafting-Mechaniken funktionieren glücklicherweise enorm intuitiv und so lernte Kara im Laufe unserer zweistündigen Liaison am laufenden Band neue Rezepte, allein dadurch, dass wir bestimmte Gegenstände fertigten oder eine neue Ressource entdeckten. Schade nur, dass die Anzahl der verschiedenen Crafting-Materialien bislang noch sehr begrenzt ist und so recht schnell das Gefühl aufkam, alles gesehen zu haben. Bis zum Release am 28. August darf das 5-köpfige Entwicklerteam gern noch nachlegen.

Windbound: Das wohl hübscheste Roguelike der sieben Weltmeere

Solltet ihr, trotz der aktuell noch recht leeren Spielwelt, doch einmal ins Gras beißen, weil ihr euch mit dem falschen Grasfresser angelegt habt, greift eine weitere coole Mechanik von Windbound, mit der sich der Titel von klassischen Survival-Brechern abheben könnte. Denn auch am Roguelike-Genre wollten sich die 5 Lives Studios aus Brisbane versuchen. Wie für diese Art Spiel üblich, müsst ihr bei eurem Tod also nicht komplett von vorn anfangen, sondern behaltet einen Teil eures Fortschritts oder werdet anderweitig für eure Abenteuer belohnt.

In Windbound kommt diese Belohnung in Form eines großen Obelisken daher. Sterbt ihr, werdet ihr in eine Art Zwischenwelt gebracht, in der ihr neue Kräfte sammeln könnt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn für Kristalle, die ihr während eurer Streifzüge gesammelt habt, könnt ihr am Obelisken praktische Fähigkeiten und Boni freischalten, die euch beim nächsten Mal weiterhelfen. Wir hatten so beispielsweise die Wahl, ob unsere Nahkampfangriffe ab sofort Blutungsschaden an Gegnern anrichten oder wir mit einer neuen Sprungattacke ins Leben zurückkehren wollen. Der Tod ist also bei Weitem nicht das Ende in Windbound

Größter Pluspunkt von Windbound: Die mystische Atmosphäre

Auch wenn spielerisch noch nicht alles ganz rund läuft bei Windbound – wir hatten noch mit kleineren Glitches und Abstürzen zu kämpfen – reißt allein der außergewöhnliche Grafikstil des australischen Studios einiges raus. Der Vergleich zu The Legend of Zelda kommt nicht von ungefähr, denn optisch kann Windbound durchaus mit großen Produktionen mithalten, wenn auch in einer anderen Budget-Klasse. Genau wie damals bei Rime erweckt auch die Spielwelt, welche wir mit Kara durchstreifen, jederzeit den Eindruck, ein ungelöstes Geheimnis vor unserer Nase zu verstecken. Schade nur, dass der recht spärlich gesetzt Soundtrack des Spiels diesen Eindruck noch etwas schmälert.

Windbound: Vorschau Fazit – Ein malerisches Survival-Abenteuer mit Herz

Auch wenn hinter Windbound nur eine Handvoll Entwickler steckt, verspricht der Genre-Mix aus Action Adventure, Survival-Spiel und Roguelike mächtig frischen Wind in die Gaming-Szene zu pusten. Einen waschechten Zelda-Ersatz für Gamer ohne Nintendo Switch dürft ihr jedoch nicht erwarten. Auch wenn Look und Atmosphäre durchaus Erinnerungen an Link und seine legendären Abenteuer wecken, setzt Windbound zum Release einen ganz anderen Kurs. So durchstreift ihr als Kara ein mystische Welt, die euch kaum Hilfen an die Hand gibt und so zum neugierigen Erkunden einlädt.

Fraglich bleibt bis zum Release am 28. August jedoch, ob dem malerischen Survival-Abenteuer nicht auf lange Sicht der Wind in den Segeln fehlt. Zu leer und einseitig war die Spielwelt bislang, zu wenig Story-Happen warf uns das Spiel in unserer Anspiel-Session hin. Trotzdem sind wir optimistisch, denn die grundsätzlichen Spielmechaniken, allen voran das wirkliche gelungene Segel-Feature, sowie das durchdachte Crafting-System, bilden eine solide Basis für ein Survival-Abenteuer mit Herz. Grafisch ist es schon jetzt über jeden Zweifel erhaben.

Rubriklistenbild: © 5 Lives Studios

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