Indie-Survival

Windbound im Test: Wenn Zelda auf Sea of Thieves trifft

  • vonDaniel Meyer
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Windbound – eine wunderschöne Seereise mit viel Survival- und Crafting – reicht das aus, um langfristig zu fesseln oder versinkt es in den Tiefen des Ozeans?

  • Windbound erschien am 28. August 2020 für Nintendo Switch, PS4, Xbox One, PC und Google Stadia.
  • Survival und Crafting stehen für Entwickler 5 Lives Studios im Vordergrund
  • Unser Test verrät, ob Windbound trotz Budget-Flaute die Segel Richtung Indie-Perle setzt.

Dass die Erwartungen an Windbound groß sind, das haben bereits die Trailer zum Spiel eindrucksvoll unterstrichen. Immerhin kommt der Titel in wunderschöner Comicgrafik daher und nutzt dabei so manche Gameplay-Elemente von Spiele-Hits wie Zelda: Breath of the Wild oder Sea of Thieves. Selbst der Gleitschirm von Zelda wird hier unverhohlen kopiert, mit dem wir durch die Lüfte düsen können. Doch was genau steckt in dem Spiel und kann das Gameplay bis zum Schluss überzeugen? Unser Test zu Windbound gibt die Antworten.

Name des SpielsWindbound
Release (Datum der Erstveröffentlichung)28. August 2020
Publisher (Herausgeber)Deep Silver
Serie-
PlattformNintendo Switch, PS4, Xbox One, PC, Google Stadia
Entwickler5 Lives Studios
Genre

In Windbound ist die Reise das Ziel – wieder einmal

In Windbound schlüpfen wir in die Rolle der jungen Seefahrerin Kara, deren Volk schon ewig die Meere bereist hat. Nachdem unser Schiff versinkt, stranden wir auf einer kleinen Insel, dem Startpunkt unserer langen Reise. Nur mit unseren Kleidern am Leib gilt es ums Überleben zu kämpfen und zum eigenen Volk zurückzukehren. Dazu gilt es die Ressourcen der zahlreichen Inseln des Spiels zu plündern und neue Items, Waffen und Schiffsteile zu craften.  

Die Jagd in Windbound: Erst ein packendes, dann ein schleifendes Vergnügen

Mit Pflanzenfasern können wir so unser erstes kleines Schilf-Ruderboot basteln, mit dem mutig über die sieben Weltmeere gepaddelt werden darf. Im späteren Verlauf reicht dies bis zum mächtigen drei-rumpfigen Katamaran, aber auch wilde Eigenkreationen sind in Windbound möglich – vorausgesetzt wir verfügen über die nötigen Ressourcen.

Wie üblich bei solchen Spielen, müssen wir auf unserer Reise immer bessere Items ergattern, um mit diesen beispielsweise neues Werkzeug herzustellen, um wieder andere Materialien abbauen zu können. Aber im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern geht Windbound hier allzu tief in das Crafting hinein, zumindest was die Komplexität angeht. Für Einsteiger sicherlich hilfreich, jedoch raubt dies dem Spiel auch gleichzeitig viel Freiraum und damit Potential.

Windbound setzt auf Survival-Gameplay – vom Gejagten zum Jäger

In Windbound solltet ihr euch gut überlegen, mit welchen Inselbewohnern ihr euch anlegt.

Neben Pflanzen gilt es auch Tiere zu jagen. Diese lassen ebenso seltene und wichtige Ressourcen fallen, die zum Herstellen neuer Objekte benötigt werden. Mindestens ebenso wichtig ist zudem deren Fleisch, denn sowohl Lebensenergie als auch Ausdauer halten nicht ewig und können nur durch Nahrungsaufnahme regeneriert werden. Aber auch unterschiedliche Beeren und Pilze können gesammelt werden, sodass auch für Vegetarier genug Spielraum vorhanden ist. Es gibt sogar einen Erfolg, bei dem kein Fleisch im gesamten Spieldurchlauf gegessen werden darf. Jedoch war dieser Erfolg, wie auch einige andere bei unserem Test verbuggt – zum Release von Windbound läuft also bei Weitem noch nicht alles rund.

Die Jagd auf Tiere ist zumindest zu Beginn recht anspruchsvoll, aber mit etwas Übung auch keine sonderliche Herausforderung, da die Angriffsmuster der Biester sehr überschaubar daher kommen. Die unterschiedlichen Kreaturen reichen von gewaltigen Nashörnern über sich tarnende echsenartige Predatoren bis hin zu kleinen flauschigen Kugeln mit riesigen Zähnen. Für den Kampf können wir aus einem kleinen Arsenal an Waffen wählen: Speere, Schleudern oder Pfeil und Bogen. Etwas schade ist, dass die Anzahl unterschiedlicher Wesen begrenzt ist und nicht einmal ein Recycling dieser stattfindet, um für mehr Abwechslung zu sorgen.

Inselhopping für Anfänger – Windbound ist alles andere als komplex

Windbound richtet sich insbesondere an jüngere Spieler und Einsteiger in Survival-Games. So kommt der Titel insgesamt sehr simpel und somit auch entsprechend zugänglich daher. Insgesamt müssen wir fünf Areale durchschippern, die jeweils aus einer Mehrzahl an Inseln und versteckten Orten bestehen. Auf drei der Inseln sind Türme versteckt, die es jeweils zu finden und aktivieren gilt. Ist dies geschafft, öffnet sich am Ende des Gebiets ein Portal und wir können in der Geschichte voranschreiten und erleben dort verschiedene Puzzlestücke der Vergangenheit von Karas Volk.

Die Survival-Elemente sind das Herzstück von Windbound.

Schade ist, dass die Abwechslung sich stark in Grenzen hält. Jedes Levelareal stellt uns so immer wieder vor dieselbe Aufgabe. Lediglich kommen gelegentlich neue Kreaturen, Ressourcen und Areale dazu, die zumindest für ein klein wenig Abwechslung sorgen. Jedoch ist es nicht einmal zwingend notwendig, sich um das Craften und um das Sammeln von Ressourcen zu kümmern. Selbst mit einem notdürftigen Ruderboot und den gelegentlichen Sammeln von Beeren, Pilzen und dem Braten von Fleisch und Fisch kommen wir an unser Ziel. Allerdings verzichtet man damit auch auf epische Schiffbauteile, die zum Beispiel einen magischen Turbo in der Beschleunigung bescheren.  

Windbound in einer Nussschale: Seichte Gewässer, seichtes Gameplay?

Das größte Problem hinter Windbound ist das verschenkte Potential. Im Kern ist das Spielprinzip großartig, doch leider kommt der Titel mit weniger Inhalt daher als Sea of Thieves in dessen Anfangsphase. Dies wird umso markanter, je weiter wir im Spiel voranschreiten. Selbst der an sich gelungene Soundtrack mutiert nach kurzer Zeit zur Dauerschleife und fängt schnell an zu stören. Mehr Möglichkeiten des Craftings, größere Herausforderungen und mehr Vielfalt in der Gesamtheit des Spiels wären absolut notwendig gewesen, um den Titel zu einem Meisterstück zu machen. Leider scheitert das Spiel hier genau wie im Endgame-Content.

Erreichen wir so das letzte Gebiet und absolvieren die letzte Sequenz des Spiels, in der wir mit hohem Wellengang eine schnelle Passage absegeln müssen, so erwartet uns ein besonders anti-klimatisches Ende. Das Finale des Spiels ist derart unterwältigend, dass es seinesgleichen sucht. Was Windbound zudem fehlt ist Post-Game-Content. Nach Absolvieren des Spiels wirft uns das Spiel stets zurück zum Start des fünften Kapitels in unserem alten Speicherstand. Wir können also weder in einem New-Game-Plus übergehen um neue Herausforderungen zu suchen, noch können wir gesammelte Upgrades übernehmen. Es muss zwingend ein neuer Speicherstand angelegt werden – enttäuschend.

Windbound im Test: Unser Fazit zum lauen Indie-Lüftchen von 5 Lives Studios

Windbound im Test: Unser Fazit zum Indie-Segeltörn

Optisch und spielerisch bietet Windbound eine solide Erfahrung, die mit genügend Content hätte großartig werden können. Stattdessen fühlt sich das Spiel durchgehend unfertig an, was umso markanter wird, je weiter man im Spiel voranschreitet. Auch diverse technische Mängel, wie eine fehlerhafte Anzeige der Windrichtung oder ein sporadisches Hängenbleiben des Schiffs im Wellengang, sorgen für gelegentliche Frustmomente. Dies ist insofern schade, da das Prinzip des Spiels, gepaart mit toller Optik durchaus immenses Potential bietet. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Entwickler zusätzliche Updates abliefert und neue Inhalte nachreichen wird. Im aktuellen Zustand ist Windbound zwar sicher für ein paar Spielstunden einen Blick wert und eher Einsteigern zu empfehlen, doch auf mittel- bis langfristige Segelausflüge solltet ihr euch nicht unbedingt einstellen.

ProCon
+ Wunderschöne Inszenierung- Manch frustige Design-Entscheidungen
+ Solides Craftingsystem …- … das nur an der Oberfläche des Möglichen kratzt
+ Ansprechender Soundtrack …- … der wenig Abwechslung bietet und schnell mononton wird
+ Ausgezeichnet für junge Spieler und Einsteiger geeignet …- … doch für erfahrene Spieler wenig Anspruch vorhanden
- Unterwältigende Story
- Repetitives Gameplay
- Kein New-Game-Plus
- Technische Mängel beim Segeln

Rubriklistenbild: © 5 Lives Studios

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