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Wolfenstein: Youngblood - Unsere Meinung zum Koop-Shooter

Im Doppelpack gegen das Regime

Wolfenstein: Youngblood im Test: Viel Gehalt oder nur Gewalt?

Wolfenstein: Youngblood - Die Meinungen gehen auseinander. Wer beim Shooter auf seine Kosten kommt und ob im „Half Price“-Titel mehr steckt als man vermutet, erfahrt ihr im Test.

Die Meinungen zum jüngst erschienen Wolfenstein: Youngblood lassen sich grob in zwei Lager aufteilen: Zum einen waren viele enttäuscht, als das Spiel nicht als der lang erwartete dritte und letzte Teil der Trilogie, sondern als Spin- Off angekündigt wurde. Die andere Hälfte interessiert sich sowieso nicht für die Geschichte und will lediglich einen Shooter, in dem man in bester Manier Nazis umlegen kann. Ob nur letztere bei Wolfenstein: Younglood auf ihre Kosten kommen, oder in dem „Half Price“-Titel mehr steckt als man vermutet, erfahrt ihr in unserem Test zum First-Person-Shooter

Wo ist Blazkowicz? 

Auch B.J. Blazkowicz Töchter sind vom harten Schlag.

Um direkt mit der Bunkertür ins Haus zu fallen: Nur der Story wegen solltet ihr das Spiel nicht kaufen. Youngblood geht zwar interessante neue Wege, da es aber kein Vollpreistitel ist, erreicht es nicht den Umfang der vorherigen Erscheinungen. Aber alles der Reihe nach. Die Geschichte des Spiels setzt 1980 nach dem noch nicht erschienenen dritten Teil von Wolfenstein an. Die Nazis existieren immer noch, wurden aber in ihre letzten wenigen Hochburgen vertrieben. Das Leben des früheren Hauptcharakters B.J. Blazkowicz und seiner Frau Anja könnte man fast als harmonisch beschreiben. 

Auf einem kleinen Anwesen im befreiten Amerika ziehen sie ihre zweieiigen Zwillingstöchter Jess und Soph auf. Selbst als der Vater für einige Zeit verschwindet, macht sich keiner große Sorgen. Schließlich ist er  eine wichtige Persönlichkeit im Kampf gegen das Regime und daher viel gefragt. Erst als die Chefin des FBI, Grace Walker, mit Abby im Schlepptau erscheint, wird klar, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Fans der Spielreihe werden die beiden Charaktere bereits aus dem letzten Teil Wolfenstein II: The New Colossus kennen. Als Mutter Anja beteuert wegen der Kinder bleiben zu müssen, entscheiden diese, sich zusammen mit Abby auf eigene Faust auf die Suche nach ihrem Vater zu begeben. Sie erhalten durch einen Zufall den Hinweis, dass sich Papa B.J. in Paris aufhält. Die Stadt der Liebe zählt zu einem der letzten Gebiete in der Hand der Nazis. 

Eineiige Zwillinge und doch voller Differenzen.

In den eigentlich verlassenen Katakomben der Stadt hat sich der Widerstand jedoch eine geheime Basis eingerichtet. Hier trefft ihr die ebenfalls bekannte Julie Brandt, auch Juju oder Blackbird genannt. Sie gibt euch letzte Instruktionen, worauf eurer Suche nichts mehr im Wege steht. An sich ist die vorhandene Story dabei packend inszeniert. Die Zwischensequenzen und Charaktere sind technisch und dramaturgisch gut umgesetzt, sodass eigentlich keine Langweile beim Zuschauen aufkommen sollte. Wer sich jetzt aber tiefgründige Charaktere mit starken Motiven und viel Platz zwischen den Zeilen wünscht, wird größtenteils enttäuscht. 

Nur selten schaffen es Soph und Jess es, uns durch ihre typische Hass-Liebe zweier Schwestern ein Schmunzeln abzugewinnen. Fast schon gestört hat uns außerdem die Rolle der technikbegabten Abby. Durch ihre Fähigkeiten im Abhören, Helikopter fliegen und was nicht noch alles übernimmt sie die typische Rolle des „Hackers“, ohne die man vieles aufwendiger erklären und gestalten hätte müssen. Nach den erzählerischen Lorbeeren der vergangenen Teile haben sich die Autoren in Youngblood etwas zu sehr auf bekannte Motive verlassen.

Mehr Arcade als zuvor 

Auch wenn ihr nun ungefähr wisst, wo ihr euren Blazkowicz suchen müsst, heißt das natürlich noch lange nicht, dass ihr dort einfach hereinspazieren könnt! Bevor ihr nämlich in das geheime Labor X gelangen könnt, in dem sich euer Vater aufhalten soll, müsst ihr aus drei Türmen – genannt Brüder – Codes erhalten. Ganz in Wolfenstein-Manier ist der Weg dahin natürlich mit verschiedensten Gegner gespickt. Um gegen diese zu bestehen, gibt euch euch das Spiel neben einem großen Waffenarsenal die sogenannten Motorrüstungen an die Hand. Neben einem Rüstungswert, der eure Lebensanzeige erweitert, könnt ihr mit ihnen Doppelsprünge vollführen und euch mit verschiedenen Fähigkeiten ausstatten. 

Motorrüstungen und Ballermänner: Hier schreit alles nach Wolfenstein.
Das Regime hat überall die Finger im Spiel.

Hier habt ihr am Anfang - neben der Auswahl, welchen der Zwillinge ihr spielen wollt - ebenfalls die Wahl zwischen temporärer Unsichtbarkeit oder einem Ramm-Angriff. Diese Fähigkeiten lassen sich im späteren Spielverlauf dann verbessern und auswechseln, investiert also nicht allzu viel Gehirnschmalz. Des Weiteren könnt ihr eine Geste ausrüsten. Klingt banal, ist es auch. Gesten lassen euch etwas Leben oder Rüstung wiederherstellen, kurz unverwundbar werden, temporär mehr Schaden austeilen und so vieles mehr. 

Dieses und weitere Features machen dabei Gebrauch von einem der größten Alleinstellungsmerkmale von Wolfenstein: Younglood: Dem Koop. Sobald ihr euch nämlich für eine der Schwestern entscheidet, kann euch ein anderer Spieler mit einer Version des Spiels (Splitscreen nicht möglich) zur Seite stehen. Der Fortschritt wird dabei aber leider nur im Spiel des Hosts gespeichert. Wo ihr also im Singleplayer einfach eure Geste aktiviert und euer von der KI gesteuerter Verbündeter mitmacht, muss im Koop-Modus das Timing stimmen.

 Um den Koop weiter im Gameplay zu vertiefen, teilen sich Jess und Soph insgesamt drei Leben. Diese können durch bestimmte Kisten in der Welt wieder aufgefüllt werden, dies funktioniert aber auch wieder nur zu zweit. Die KI macht dabei im Spiel keine großen Fehler und fühlt sich sogar recht nützlich an. Selten hatten wir so wenig Probleme mit der Wegfindung oder waren so wenig frustriert, eher einen Statisten als einen Mitstreiter zu haben. Trotz alledem solltet ihr euch nach Möglichkeit einen Freund oder eine Freundin schnappen. Zusammen lassen sich Nazihorden nochmals deutlich spaßiger vernichten.

Spiel mir das Lied vom Schrot 

Bulletsponges: Ob Wolfenstein das gebraucht hat?

Hier hat sich dabei auch einiges getan. Sowohl die Zwillinge als auch eure Gegner wurden in Youngblood mit einem Level versehen. Dieser zeigt euch direkt an, ob ihr leichte Beute vor euch habt oder lieber die Beine in die Hand nehmen solltet. Zudem besitzen eure Gegner genau wie ihr Rüstung. Diese wird rechts neben dem Lebensbalken als Kästchen angezeigt, wobei ihre Form euch den dagegen geeigneten Waffentyp verrät. Nehmt einfach die Waffe aus eurem Arsenal mit den gleichen Symbolen und ihr verursacht deutlich mehr Schaden. 

Erstmal ein cooles Feature, wenn dies nicht dazu führen würde, dass ihr manchmal notgedrungen vier Magazine einer nicht so gut geeigneten Waffe in einen Gegner versenkt. Nur um dann zu sehen, dass noch 10 weitere Gegner dieses Typs auf euch warten. Generell fühlten wir uns nicht selten von den Horden an Kontrahenten eher gestört. Das hat mehrere Gründe: Zum einen findet sich in jeder Gruppe von Gegner ein Kommandant. Tötet ihr im Kampf diesen nicht zuerst, fällt der Nachschub an Feinden deutlich größer und stärker aus. 

Nennt uns altmodisch, aber wir hatten nicht erwartet, in einem Spiel der Marke Wolfenstein erst einmal 10 Minuten umherzuschleichen, den Kommandanten ausfindig zu machen und zu erledigen. Zum anderen scheint die Versorgung mit bösen Buben im Allgemeinen kein großes Problem darzustellen. Habt ihr euch zum Beispiel durch ein Areal gekämpft, die Aufgabe beendet und wollt zur Basis zurückkehren dürft ich euch auf dem Rückweg genau denselben Gegner stellen, die ihr schon auf den Hinweg bekämpft hat. 

Eine ziemlich nervige Angelegenheit, erst recht, wenn ihr dann kurz vor dem Ziel sterben solltet. Die Waffen in Youngblood konnten uns dabei nicht so wirklich vom Hocker hauen. Zwar fühlt sich das Handling aller Waffen gut an und sie können auch in puncto Design überzeugen, interessante Ideen oder Neuerungen bleiben aber aus. Zudem hatten zu selten die Gelegenheit, unsere favorisierte Waffe zu benutzen, da wir uns im Kampf eher nach vorhandener Munition oder dem passenden Schadenstyp für die Rüstungen umsehen mussten. Man kann diesen natürlich auch einfach nicht beachten, vor allem am Anfang wird euch dann aber schnell die Munition ausgehen.

Viele Nazis, aber kaum Varianz.

Paris, c’est la vie! 

Die Unterwelt von Paris hat einiges zu bieten.

Immerhin hat uns die Umsetzung der französischen Hauptstadt sehr gut gefallen. Die verschiedenen Distrikte geben sich sehr abwechslungsreich und fördern Entdeckergeist. Von monumentalen Reichsbauten über klassische Stadtviertel bis zu slum-artigen Gebieten ist hier alles dabei. Hier macht sich die Zusammenarbeit mit den Leveldesignern der Arcane Studios bemerkbar. Die unter anderem für Dishonored bekannten Entwickler geben Paris viele Vertikalen und dem Spieler nicht das Gefühl, von einem schlauchigen Level ins nächste zu rennen. Dabei gibt es natürlich wieder mächtig viel zu sammeln!

Neben Munition, Leben und Rüstungen strotzt die Welt von Wolfenstein Youngblood nur so von Collectables, Figuren und Münzen. Letztere lassen sich im Menü in neue Fähigkeiten, Gesten oder Waffenupgrades investieren. Die Missionen können aber leider nur bedingt das hier gestellte Potenzial ausnutzen. Auch wenn Aufgaben wie das Platzieren einer Autobombe oder das Befreien von Geiseln des Regimes durchaus gut in den Kontext der Geschichte passen und deutlich freier gestaltet wurden als in vorherigen Teilen, haben wir letztendlich doch nur wieder Aufgaben à la „Hol das“, „Töte das“ oder „Erreiche das“ vor uns. Hier fiel uns auch mit der Zeit immer mehr negativ auf, dass bis auf die Nazis die Level wie leergefegt wirken. Dies erklärt uns Juju vorher dadurch, dass das Regime jegliche Bewohner aus den Vierteln räumen lies. Ob man sich nun mit dieser Begründung abfindet oder nicht, die Straßen von Paris wirken etwas zu leer und verschenken so Potenzial einer eigentlich gelungenen Kulisse.

Fazit

PROS

CONS

+ Gelungener Koop-Modus

- Oberflächliche Story

+ Abwechslungsreich gestaltete Level

- Keine Neuerungen bei Gegnern und Technik

+ Klassische Wolfenstein-Action

- Zu viele Gegner

Wolfenstein: Youngblood wird sicherlich keinen Preis für eine einzigartige Geschichte oder neuwertiges Gameplay gewinnen. Dafür ist alles etwas zu vorhersehbar und konventionell. Vielmehr sollte man das Spiel als einen gelungen Leckerbissen betrachten, der Shooter und Wolfenstein-Fans die Spielereihe wieder ins Gedächtnis ruft und Lust auf den (noch unangekündigten) letzten Teil der Trilogie machen soll. Und das hat Entwickler MachineGames zusammen mit den Arcane Studios auf jeden Fall geschafft. Wolfenstein: Youngblood spielt sich fetzig, schnell und unkompliziert. Dies geben das Gunplay, die sehr unterschiedlichen Level und allerlei Upgrades und Fähigkeiten definitiv her. Vor allem wenn man bei all dem nicht vergisst, dass es sich hier keinesfalls um einen Vollpreistitel handelt, sondern der ganze Spaß bereits für 30€ zu haben ist. Wir können euch daher getrost eine Kaufempfehlung aussprechen!

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