Sonys Arroganz wird dem Gaming noch das letzte bisschen Seele nehmen

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Von: Joost Rademacher

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Ich liebe meine PS5, aber der aktuelle Kurs von Sony macht mir Sorgen. Das Unternehmen ist arrogant geworden, hoffentlich folgen andere nicht seinem Beispiel.

Hamburg – Es gab eine Zeit, als die Präsidenten von Nintendo, Microsoft und Sony gemeinsam auf der Bühne der Game-Awards standen, um die Preisverleihung zu eröffnen. Im Jahr 2018 war das passiert, Shawn Layden, Phil Spencer und Reggie Fils-Aimé sprachen von Gemeinschaft, von Kreativität und Innovation im Gaming. Heute könnte man sich so einen gemeinsamen Auftritt kaum noch vorstellen. Das Sony von 2023 ist ein anderes Unternehmen, ein arrogantes und eigenbrötlerisches. Diese Entwicklung ist nicht nur schade, sie könnte auf Dauer echten Schaden im Gaming anrichten.

Name der KonsolePlayStation 5 (PS5)
HerstellerSony Interactive Entertainment (SIE)
TypStationäre Spielkonsole
Generation09. Konsolengeneration
SpeichermediumBlu-Ray, SSD
Release19. November 2020

Sony zieht sich zurück – Das Unternehmen wird unzugänglicher, unpersönlicher

Diese Entwicklung von Sony kam schleichend über die vergangenen Jahre. Ein paar Momente und Ereignisse zeigen aber, wie sich das Denken des PS5-Unternehmens gewandelt hat.

Im Jahr 2018 hielt Sony die letzte öffentliche Pressekonferenz bei der E3, bevor das Unternehmen sich von 2019 an aus der Gaming-Messe zurückzog. Der Übergang von einer lokalen, wahrscheinlich sehr teuren Pressekonferenz zu einem einfach zu stemmenden Livestream war nur eine Frage der Zeit. Nintendo hatte im Jahr 2018 schon lange keine echte Pressekonferenz gezeigt und verließ sich seit Jahren auf Direkt-Präsentationen. Dennoch blieb Nintendo der E3 treu und setzte seine Übertragungen zumindest für den Zeitpunkt der Messe an.

E3 2018 PlayStation Showcase
PlayStation Showcase bei der E3 2018 – Sonys letztes Hurrah © Sony Interactive Entertainment/ESA (Montage)

Sony hatte lange einen Status als Garant für die Highlights der Messen. Man denke an P.T bei der Gamescom im Jahr 2014, an die irre E3-Präsentation von 2015, mit The Last Guardian, Final Fantasy 7 Remake, Shenmue 3 und Uncharted 4. Allein 2016 feuerte man in der E3-Livekonferenz Trailer zu Resident Evil 7, God of War, Monster Hunter World, Days Gone, Horizon Zero Dawn und Shadow of the Colossus ab. Es war rückblickend fast schon ein goldenes Zeitalter für Sony, was den Rückzug von der E3 nur umso verwunderlicher macht.

Die Energie sowohl im Internet als auch in den Hallen war verrückt während dieser Präsentationen. Heute ist davon wenig übrig. Der Flair ist weg. Das letzte Showcase von PlayStation war lang genug und zeigte ein paar spannende Titel. Das steife Gerede von Gordon-Ramsay-Elmer-Fudd-Amalgam Jim Ryan gemischt mit den nichtssagenden Einspielern zwischen jedem Trailer nahm der Präsentation aber jedes Gefühl von Nahbarkeit, von Menschen, die gemeinsam Gaming feiern wollen.

Unter den großen Publishern ist diese Herangehensweise inzwischen zum Status Quo geworden. Wenn Leute wie Geoff Keighley, so gerne man mal über ihn witzelt, nicht mit Aktionen wie dem Summer Game Fest oder den Game-Awards auffahren würden, müssten wir uns von einer seelenlosen Online-Übertragung zur nächsten hangeln.

Sony traut sich kaum noch was – Aber brüstet sich mit seinen größten Franchises

Das Problem liegt aber nicht nur in den Präsentationen von Sony. Es liegt auch in den Spielen selbst. Die PlayStation Studios haben zwischen der PS4 und der PS5 ein paar Spiele rausgehauen, die ihre Generationen heute definieren. Gut und gerne mehr als 80% der letzten Releases kamen aber aus bestehenden Franchises – Remakes, Sequels und Reboots noch und nöcher. Komplett neue Marken kann man dagegen an einer Hand abzählen: Unter den First-Party-Spielen, die Sony Interactive Entertainment in den letzten drei Jahren veröffentlicht hat, waren nur Returnal, Ghost of Tsushima und Destruction AllStars neu.

Schlimmer noch ist es da, dass Sony eine Formel gefunden zu haben scheint, der ein erschreckender Großteil der PlayStation Studios jetzt folgt. Stoppt mich, wenn euch etwas davon bekannt vorkommt: Ein cineastisches Third-Person-Action-Adventure für Singleplayer, mit einer halboffenen bis offenen Welt, von Dark Souls/Batman Arkham/Assassin‘s Creed inspiriertem Gameplay und Crafting. Ausnahmen gibt es immer, aber von Spider-Man über God of War bis zu Horizon könnte diese Beschreibung auf viele Spiele zutreffen.

Aloy in Horizon Zero Dawn
Horizon Zero Dawn hatte ein frisches Setting – Das Gameplay haben wir aber schon X-fach gesehen © Sony Interactive Entertainment / Guerilla Games

Natürlich machen diese großen Franchises viel Geld. Die Spiele dieser Reihen sind auch auf verdammt hohem technischen Niveau. Aber es fällt immer mehr auf, wie sehr ihnen ein Herz fehlt. Wie sehr ihnen tatsächliche Persönlichkeit und das ewig ungreifbare gewisse etwas fehlt. Ratchet & Clank war einmal ein nahezu anarchistisches, bissiges Spiel mit cleverem Witz und einem einzigartigen Universum. Für die letzten zwei Spiele sind all diese Ecken und Kanten verschwunden. Das Erlebnis unter all dem Bling-Bling wurde austauschbar, fand auch Kollege Jonas in unserem Test von Ratchet & Clank: Rift Apart.

Sony fährt anderen vor den Karren – Und bekommt die Quittung

Schade bei alldem ist, dass Sony eigentlich die Studios hat, um wirklich neue, interessante und wegweisende Spiele zu entwickeln. Viele davon hat Sony mit großgezogen, wie Naughty Dog, Santa Monica Studio oder Polyphony Digital. Aber in den vergangenen Jahren war das PS5-Unternehmen auch in einem ordentlichen Kaufrausch. Satte zehn Studios hat Sony seit 2019 aufgekauft, darunter Insomniac Games, Nixxes und Bluepoint Games. Insgesamt hat Sony mittlerweile bei fast 20 Studios die Finger im Spiel.

Natürlich ist klar, dass Microsoft mit der Xbox da irgendwie mitziehen muss. Nach dem Kauf von Bethesda kam 2022 dann schließlich die Übernahme von Activision Blizzard King ins Gespräch. Für Microsoft, das nach fehlenden Exklusivtiteln und enttäuschenden Releases ohnehin Wasser tritt, ist das nur der sinnige Zug. Sony hingegen stellt sich trotzig hin und will den Kauf blockieren. Selbst als Microsoft einen 10-Jahres-Deal für Call of Duty anbietet, inklusive Day-One-Release bei PS Plus, macht das Unternehmen dicht. Jetzt geht der Deal trotzdem durch und Sony muss sich dringend Shooter-Alternativen für Call of Duty aus den Fingern saugen, wie auf dem Showcase gesehen.

Die Sony PS5 vor dem Activision Blizzard Logo
Der Activision-Blizzard-Deal mit Microsoft – Hat Sony da richtig gehandelt? © Sony/Activision Blizzard

Von der Einigkeit zwischen den Unternehmen von 2018 ist da nur noch wenig zu erkennen. Jim Ryan, der aktuelle Präsident von Sony Interactive Entertainment, kam 2019 in seine jetzige Position. Ihm die Entwicklungen der letzten Jahre zuzuschreiben, wäre sicherlich einfach. Um ehrlich zu sein, könnte ich mir Ryan auch nicht in einer Aufreihung neben Phil Spencer und Doug Bowser auf einer Bühne vorstellen.

Sony ist arrogant geworden – Hoffentlich lernen andere daraus

Aber das heutige, arrogante Sony kam durch eine Vielzahl von Entscheidungen zustande, die hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben. Als einfacher Redakteur kann ich diese Entscheidungen und Entwicklungen kaum einsehen. Ich kann nur hoffen, dass andere Publisher und Entwicklerstudios diese Entwicklungen im Blick haben – und sich entscheiden, nahbar zu bleiben, Charakter zu beweisen, weiter nach neuen Ideen zu suchen und Risiken einzugehen.

Lieber noch wäre es mir aber, wenn Sony ein wenig zu sich zurückfindet und all diese Dinge wieder vermehrt umsetzt. Sonst sitzen wir in ein paar Jahren da und müssen uns fragen, warum wir überhaupt PS5-Konsolen gekauft haben, wenn sich dennoch alles an Spielen darauf austauschbar anfühlt – wenn kein PS5 Showcase mehr irgendeine Emotion in uns auslöst.

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