Meinung

NFT: Die nächste Gaming-Revolution steht bevor – Ob wir wollen oder nicht

  • Jonas Dirkes
    vonJonas Dirkes
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Krypto-Kunst und NFTs sind in aller Munde. Welche Auswirkungen die Blockchain aber auf das Gaming haben wird, darüber sprechen nur die Wenigsten.

Hamburg69,346,250 Millionen US-Dollar für eine Handvoll Daten. So geschehen im Februar beim Auktionshaus Christie’s. Von einem Tag auf den anderen wurde Krypto-Künstler Beeple zum drittschwersten derzeit lebenden Künstler – gleich hinter David Hockney und Jeff Koons. Mal wieder ist es die Magie der Blockchain, die jegliche Verhältnismäßigkeit vergessen lässt. Verkauft wurde nämlich keine Ölfarbe auf Leinwand, sondern ein NFT. Also ein Non-Fungible Token oder eben eine Handvoll Daten.

KunstwerkEverydays: The First 5000 Days
KünstlerBeeple
FormatNFT
Wert69,346,250 Millionen US-Dollar

NFTs: Was sind Non-Fungible Tokens? – Die Macht der Blockchain

Eine kurze Auffrischung: NFT’s sind im Grunde die Schausteller im Wanderzirkus, die von Anfang an dabei waren, aber erst jetzt ins Rampenlicht der Manege treten. Genau wie etwa Kryptowährungen – seien es nun Bitcoin, Ethereum oder andere Konkurrenten – ziehen die Non-Fungible Tokens ihren Reiz aus der Blockchain. Diese existiert dezentral auf unzähligen Rechnern und fungiert als digitales Kassenbuch. Wird beispielsweise eine Überweisung mit Bitcoin getätigt, dann wird das für alle User einsehbar in der Blockchain vermerkt. Schummeln ist durch die dezentrale Natur nicht mehr möglich. Das ist es, warum der Bitcoin so einen Höhenflug erlebt. Banken als absichernde Instanz zwischen zwei Parteien werden durch die Blockchain obsolet. 

NFT’s denken das System nun weiter. Anstatt das Kassenbuch ausschließlich für Kryptowährungen zu nutzen, trägt man jetzt auch andere digitale Besitztümer in die Auflistung ein. Im Falle von Beeple ist es sein Kunstwerk THE FIRST 5000 DAYS, das ausschließlich in Einsen und Nullen existiert. Ohne die Blockchain als verifizierendes Organ wäre die Christies-Auktion nicht denkbar. Jeder der Zugriff auf die THE FIRST 5000 DAYS-Datei hat, könnte sich als ihr Besitzer ausgeben und sie nach Lust und Laune vervielfältigen. Als NFT ist THE FIRST 5000 DAYS nun aber einzigartig. Es können immer noch Kopien angefertigt oder Screenshots gemacht werden, dabei handelt es sich dann aber um Kopien und Screenshots. Das Original bleibt das nicht kopierbare Original. So belegt es die Blockchain. 

Das NFT-Kunstwerk THE FIRST 5000 DAYS von Beeple wurde für 69,346,250 Millionen US-Dollarverkauft.

Vereinfacht gesagt gibt man der Datei eine Nummer. Das Weiße Album der Beatles durchlief auf Vinyl einige Neupressungen, aber nur die Erstauflage mit der Nummerierung 0000010 auf der Hülle, ist auch das Album 0000010. Anders als mit der Blockchain ist dieses System allerdings nicht fälschungssicher. Mehrere Presswerke sollen die Produktion gleichzeitig bei Album 0000001 begonnen haben. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass Fälscher andere Hüllen manipulieren und selbst eine Nummerierung auf sie drucken. In der Blockchain wäre die Existenz und der Besitz jedes Albums zweifelsfrei auf unzähligen Rechnern dokumentiert und solch blinde Flecken nicht möglich. Da dieses System so sicher ist, sind Menschen sogar dazu bereit 69 Millionen Dollar für den Besitz einer Datei zu investieren.  

Bei Kunst muss es allerdings nicht aufhören. Verfechter der Blockchain prophezeien den Einzug von NFT’s in sämtliche Lebensbereiche. Eine Universität könnte in Zukunft beispielsweise nach bestandener Abschlussarbeit keine Zeugnisse mehr auf Papier ausstellen, sondern den Bachelor für Absolventen als NFT bereitstellen. Dokumentenfälschung würde so ein gnadenloser Riegel vorgeschoben werden und Universitäten sparen sich einen nicht zu verachtenden Verwaltungsaufwand – auf dem (nun antiquiertem) Papier würden so alle gewinnen. Oder wie wäre es mit Heiratsurkunden? Auch digitale Besitzscheine von Autos oder dem Eigenheim wären reizvolle Varianten von NFT’s. Der Bereich, der sich aber am meisten für die Krypto-Technik anbiedert, ist das Gaming.

NFTs: Im Gaming steht der nächste Paradigmenwechsel nach dem Mobile-Markt an

Sega ist der erste Publisher der Schlagzeilen damit machte, in Zukunft auch NFTs anbieten zu wollen. Bereits im Sommer soll es so weit sein. Was der Siedler auf fremden Terrain genau verkaufen möchte, ist aber noch nicht bekannt. Vermutlich wird sich das Angebot zunächst einmal auf ein digitales Sammelalbum beliebter Sonic-Charaktere und Items beschränken. Wenn du jetzt zuschlägst, kannst du dir Sonics rote Treter sichern! Spieler und Spielerinnen ihre Zugehörigkeit zu Fangruppen mit Krypto-Sammelstücken beweisen zu lassen, wird in 10 Jahren vermutlich ein genauso normaler Teil der Popkultur sein, wie es heute Special-Editions und Steelbooks sind. Es geht nur um den schönen Schein. Wert durch Limitierung. 

Genau das macht gerade bereits NBA Top Shot. Eine Art digitales Panini-Album, in dem sich ikonische NBA Momente sammeln lassen. Die als NFT verewigten Slam Dunks und Dreier werden in streng limitierten Auflagen bereitgestellt. Je früher das NFT der Auflage in der Blockchain niedergeschrieben wurde, umso begehrter der Sammeltoken. Spieler handeln die NFT’s untereinander wie damals die Abziehbilder auf dem Pausenhof. Mit dem feinen Unterschied, dass nicht CR7 gegen Messi getauscht wird, sondern NFT gegen Bitcoin. Simpel wie süchtig machend jagt man nun der Vervollständigung der eigenen Sammlung hinterher. Manche sehen die Top Shots aber auch als Investmentmöglichkeit. Handel ist Teil der DNA von NFTs.

NBA Top Shot ist ein digitales NFT Panini-Album.

Viel spannender wird es aber, wenn NFTs in Videospiele integriert werden. Wenn man den Tokens nicht nur Schauwerte, sondern auch eine Funktion zuweist. Entwickler wie Bungie könnten ihre legendären Waffen in Destiny als NFT unters Volk mischen. Besondere Items in Fortnite könnten in einer limitierten Auflage von 10.000 Tokens veröffentlicht werden. Oder wie wäre es, wenn man sich in World of Warcraft ein Stück Land mit NFT-Besitzurkunde kaufen könnte? Der Limitierungswahn wird ein fester Bestandteil des Gamings werden. Glaubt man der Glaskugel der amerikanischen Kollegen von Venturebeat, dann werden NFTs den Gaming-Markt so durchschütteln, wie die stets belächelten Mobile-Games es vor 10 Jahren bereits taten.

Noch ist die Idee der NFTs nicht in der breiten Masse angekommen. Tief in den Financial Headquaters der Gaming-Industrie herrscht aber mit ziemlicher Sicherheit bereits Goldgräberstimmung. Denn wenn man mit NFTs eines kann, was DLCs, Phantasiewährungen und Microtransactions nicht können, ist das Folgendes: Doppelt abkassieren. Einmal in der Welt lässt man bei jeder Transaktion des Tokens von Gamer zu Gamer die Kassen klingeln. Und wir alle wissen, wie hoch Limitierungen die Preise treiben können. Seien es Special Editions, Sneaker oder aktuell die PlayStation 5 – Menschen lieben rar gesäte Sammelgegenstände. Für viele macht die Limitierung sie sogar erst interessant. Je höher sich der Wert eines NFTs letztendlich durch Verknappung schrauben lässt, desto höher auch der Share, den man bei einem Besitzerwechsel von Publisherseite abzwacken kann.

NFTs: Blockchain-Tokens sind eine Katastrophe für das Klima

Eine ziemlich düstere Zukunft, die sich da für Spieler und Spielerinnen anbahnt. Die Tage von in sich geschlossenen Einzelspieler-Erfahrungen scheinen endgültig gezählt. Die nächste Gaming-Revolution steht bevor – ob wir wollen oder nicht. Gewinnt der Markt, gewinnt auch der Einzug von NFTs im Gaming. Aber vielleicht könnte es doch noch anders kommen. Der sich stets progressiv gebenden Gaming-Bubble könnte der Klimaschutz nämlich einen dicken Strich durch die Rechnung machen. NFT’s sind dreckig. Auch Bitcoins sind alles andere als grüne Unschuldsengel. Die Blockchain fordert absurde Mengen an Energie, um niedergeschrieben zu werden. Genau dieser Prozess, das sogenannte Mining, wird von unzähligen Rechnern gleichzeitig durchgeführt: Den Stift im Kassenbuch setzt allerdings nur einer an. So gesehen ein durch und durch ineffizientes System.

NFTs: Die nächste Gaming-Revolution steht bevor – Ob wir wollen oder nicht

Allein die Cryptowährung Bitcoin verbraucht derzeit jährlich mehr Energie als ganze Länder wie die Niederlande oder Schweden. Tendenz ganz klar steigend. Glaubt man der Cambridge University, dürfte sich dieser immense Verbrauch in den nächsten Jahren sogar verdreifachen. NFTs sind in dieser Rechnung nicht einmal berücksichtigt. Kommt die Technologie in der breiten Popkultur an, wäre das ein ökologisches Desaster. Es gibt keine simple Lösung, wie dieses Dilemma einfach zu bereinigen wäre. Blockchains werden in Zukunft nicht weniger Energie verbrauchen. Gerade die dezentrale Natur und das Buhlen unzähliger Rechner um die Niederschrift eines Eintrags ist ihr Alleinstellungsmerkmal. Dieser energiefressende Vorgang lässt sich nicht umgehen, sondern wird stattdessen unaufhörlich steigen. Eine einzelne Bitcoin-Transaktion verbraucht laut der Digiconomist aktuell so viel Strom wie 453.000 Transaktionen mit einer Kreditkarte.

Sollte also nicht das schlechte Gewissen von Publishern der NFT-Revolte die Luft zum Atmen nehmen – und da ist erstmal nicht von auszugehen – könnten es sich Klima-interessierte Spieler und Spielerinnen oder in letzter Instanz die Politik zur Aufgabe machen, gegen die Krypto-Bewegung vorzugehen. Eine Breite Nutzung in der Gesellschaft lässt sich nicht mit Klimazielen vereinen. Stößt man also irgendwann einmal auf dieses funkelnde und streng limitierte NFT-Schwert im Lieblingsspiel, sollte man genau darüber nachdenken, welchen Preis man dafür zahlt, es führen zu können.

Rubriklistenbild: © Bungie/Epic Games/Nintendo/Sega | Erstveröffentlichung am 12. Mai 2021

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